Oft treffe ich auf die Vorstellung, daß „das mit dem Digitalsieren“ doch ratzfatz ginge. Man öffnet seine Auto-Digitaliserungs-Software, lädt die Grafik, die digitalisiert werden soll und schwups ist die Stickdatei fertig.

Nun ja. Natürlich gibt es Software, die „automatisch“ digitalisiert. Aber so toll sind die Ergebnisse meist nicht. Oft sieht man schon auf den ersten Blick, daß es nicht so ganz der wahre Jakob ist. Hier mal ein Originalbild:

Stickmuster digitalisieren
Grafik von www.Clipartopolis.com

Und hier das Ergebnis einer Auto-Digitalisierung:

Stickmuster digitalisieren

Auf den ersten Blick fallen „Unsauberkeiten“ bei den Details auf – die Augen sind“unordentlich“, die Umrandung von Körper, Kopf und Stirn ist mit einem Füllstich realisiert, was beim Sticken oft zu zu „strubbeligen“ Kanten führt – ein Satinstich wäre hier besser. Im Vergleich zum Original sind die unterschiedlichen Farben bei Flügel, Stirn, Körper und Schwanz verschwunden – die ganze Außenlinie der Eule ist in einer Farbe gestickt.

Hier zum Vergleich mal eine von Hand digitalisierte Eule:

Stickmuster digitalisieren

Schon der erste Eindruck ist deutlich „aufgeräumter“ – die Linien sind klar, die Farbvielfalt entspricht dem Original, der Satinstich ergibt klare Kanten.

Bis es soweit ist, ist schon einiges an Arbeit hineingeflossen. Ich beginne meist mit einem „Schlachtplan“:

Stickmuster digitalisieren

Neben dem künstlerischen Aspekt – welche Farben, welche Sticharten, welche und wieviele Details… – hat jede Digitalisierung auch eine strategische Komponente: Was wird wann gestickt, ohne daß es zu viele Farbwechsel und/oder Sprungstiche gibt?

Hier mal ein Beispiel einer verkorksten Eule mit zu vielen Sprungstichen:

Stickmuster digitalisieren

Wenn meine Digitalisierung auf dem Rechner glaubwürdig ausschaut, wird sie probegestickt.

Stickmuster digitalisieren

Meist fällt mir dabei noch mindestens ein „Flüchtigkeitsfehler“ auf – ein fehlender Schneidebefehl, ein Sprungstich, der nicht hätte seine sollen oder etwas in dieser Art.

Dann wird nachgearbeitet und auch der nächste Entwurf wird noch einmal probegestickt.

Stickmuster digitalisieren
Schon viel besser. Aber an den Augen und am Bauch bedaarf es noch etwas Feinarbeit – die Linien in den Augen werden noch kräftiger, die Außenlinien der roten Bauchpartien werden noch nachgearbeitet.

Erst wenn ich dann zufrieden bin, wird die Stickmuster-Datei veröffentlicht. Anderfalls wird halt nochmal nachgearbeitet.

Mit „Ratzfatz“ ist also nichts – aber die Mühe lohnt sich, oder?

Die Eule gibt’s ab sofort im Shop.