Diesen Monat hat Spiegel-Online eine Berichtsreihe über „Ausnutzberufe“ veröffentlicht (klick).

Wenn Sie z.B. Ärztin, Rechtsanwältin, Computerdompteuse oder Designerin sind, dann vertehen Sie sicher sofort, was mit diesem Begriff gemeint ist: Das sind die Berufe, wo man sehr oft und auch von Menschen, die man vorher garnicht kannte, gefragt wird: Kannst Du mal kurz…? Auf Partys zum Beispiel oder auf Elternabenden, auf Vereinsfesten oder beim Sport.

Kurz beraten, kurz angucken, kurz draufschauen, kurz einen Tipp geben, schnell einen Brief schreiben, mal eben einen Entwurf machen, gerade mal den Drucker zum Drucken überreden usf.

„Kurz“ ist dabei so eine Sache: „Mal schnell“ ein Konzept beurteilen, „mal schnell“ Webseiten auf rechtliche Probleme durchschauen, „mal schnell“ eine Diagnose machen – oft ist sich der Fragende garnicht bewußt, dass „mal schnell“ ganz schön Arbeit bedeuten kann.

Wenn Sie gewerblich Stickdateien verkaufen, kann Ihnen das auch passieren: Kannst Du mal kurz eine Stickdatei machen – für die Firmenkleidung, für die Abschlussfeier, für den Verein, für die Hochzeit von usf.

Die meisten Menschen helfen gerne – keine Frage. Aber was, wenn Sie mit der nachgefragten Tätigkeit Ihr Geld verdienen?

Wenn man am Beginn seiner Selbständigkeit steht, sollte man sich über diese Frage durchaus einmal Gedanken machen: Wie gehen Sie damit um, wenn derartige Anfragen z.B. in Ihrem Posteingang landen?

Wo ziehen Sie die Grenze? Was ist noch ein Freundschaftsdienst und was eine Leistung, die Sie berechnen? Wo liegt Ihre persönliche Grenze?

Was ist Ihren zahlenden Kunden gegenüber noch fair?

Bei Ihren Überlegungen hilft Ihnen vielleicht die Grafik „Sollte ich kostenlos arbeiten?„.

Und wie sagen Sie das einem „Kannst-Du-mal-eben“-Frager, der Ihre persönliche Grenze überschreitet?